Warum das Herz plötzlich schneller schlägt…
… und was dahinter stecken kann
(vorausgesetzt, eine ärztliche Abklärung hat keinen Befund ergeben oder die Fachperson vermutet einen psychosomatischen Hintergrund)
In vielen Fällen steht Herzrasen in Zusammenhang mit Stressreaktionen des Nervensystems.
Immer mehr Menschen kennen das:
Endlich die ersehnte Ruhe. Nacht.
Der Körper beginnt sich zu entspannen.
Müdigkeit reduziert die Kontrolle.
Und plötzlich:
Das Herz rast ohne ersichtlichen Auslöser.
Wie sich Herzrasen ohne Befund anfühlen kann
- dein Herz schlägt plötzlich schneller
- es klopft bis in den Hals
- dir wird warm oder schwindelig
- dein Körper fährt hoch – wie aus dem Nichts
- du kannst es nicht stoppen
- Panik
Du fragst Dich:
Was passiert hier gerade? 😨
Sterbe ich jetzt???
Todesangst!😱
Panik, die weitere Panik hervorruft und somit das Rasen noch verstärkt!
So entsteht die Angst vor der Angst, was leider oft die nächste Attacke wiederum begünstigt.
Ist Herzrasen ohne Befund gefährlich?
Oft findet der daraufhin konsultierte Arzt keine organische Ursache.
Das ist beruhigend und beängstigend zugleich.
Denn wenn der Arzt organisch keinen Grund dafür findet, bleiben trotzdem oft viele Fragen offen.
Wie zum Beispiel:
Muss ich mit einer weiteren Attacke rechnen? Wann? Und was kann ich dagegen tun?
Und allem voran:
Ist das wirklich nicht gefährlich?
Wenn es keinen körperlichen Auslöser dafür gibt und der Arzt Dich wieder nach Hause gehen lässt, kannst du davon ausgehen, dass es nicht so lebensbedrohlich ist, wie es sich anfühlt.
Warum ein Herz plötzlich rast
Wem kann das passieren?
Wie sieht der Alltag und das Leben von solchen Menschen häufig aus?
Ich gebe Dir gerne ein fiktives, aber stellvertretendes Beispiel aus meiner Arbeit:
(Ich beschreibe eine Frau, da ich mehr Frauen als Männer begleite – für viele erschöpfte Männer mit Herzrasen gilt diese Beschreibung aber vielfach genauso.)
Sie ist Ehefrau, Hausfrau und berufstätige Mutter – oft selbstständig.
Es ist 9 Uhr vormittags. Der Tag ist noch lange… viele machen die 1. Pause… sie nicht.
Obwohl sie – oft unfreiwillig – schon viele Stunden länger wach ist als viele andere.
Ihre Zeit ist zu knapp und zu wichtig für Smalltalk, weil es doch noch viel zu viel zu tun gibt.
Dabei weiss sie jetzt bereits:
Sie wird auch heute nicht fertig.
Das Gefühl, fertig zu sein, kennt sie seit Jahren nicht mehr.
Dafür kennt ihr Körper das Gefühl, fix und fertig zu sein.
Sie ist nicht müde.
Sie ist erschöpft.
Und sie schämt sich dafür.
Sie tut alles, damit die anderen das nicht merken.
Die Mitarbeiter oder Kollegen sollen sie nicht schwach erleben.
Sie sollen sich sicher fühlen, ihr vertrauen und sich auf sie verlassen können – wie immer.
Auch die Familie soll sich keine Sorgen machen.
Das Sorgen für andere ist schliesslich IHRE Aufgabe.
Das kann sie. Das macht sie… schon von klein auf.
Aber es fällt ihr immer schwerer.
Wenn Erschöpfung ignoriert wird
Auf der Arbeit kann sie sich immer schwerer konzentrieren und jede kleine Entscheidung fühlt sich an wie ein Kraftakt.
Nur keinen Fehler machen! Das gibt sonst NOCH mehr Arbeit.
Sie sehnt sich so sehr nach Ruhe … nach innerer Ruhe… nach Erholung.
Aber für Pausen hat sie einfach keine Zeit.
Nicht für kurze und schon gar nicht für lange.
Doch sie sehnt sich nach dem Gefühl, wieder einmal einen vollen Akku zu haben und wie früher aus dem Vollen schöpfen zu können.
Zu lachen. Sich morgens auf den Tag zu freuen.
Wenn wir uns selbst fremd werden…
Sie war immer eine Macherin.
Sie kennt sich gar nicht anders. .
Und die anderen kennen sie auch nur so. Und schätzen doch gerade das so an ihr.
Aber sie kann und will nicht mehr so weitermachen.
Das ist nicht mehr sie.
Sie wird sich selbst immer fremder.
Sie kann selbst die einfache Fragen: „Wie geht es Dir?“ nicht mehr beantworten…
Weil sie entweder lügen müsste, zu weit ausholen oder ihr inzwischen immer öfter die Worte fehlen.
Sie weiss es selbst nicht mehr.
Sie spürt sich immer weniger.
Doch das Gute daran: auch das spürt sie nicht.
Das macht es einfacher. Denn wie sollte sie auch noch mit all der Wut, Hilflosigkeit, Traurigkeit und Zukunfts-Angst in ihr umgehen, wenn sie den Alltag im Aussen schon kaum bewältigen kann?
Dafür hat sie nicht auch noch die Kraft.
Es ändert ja nichts. Es ist wie es ist.
So hat sie gelernt, immer weiter zu machen.
Und dann kommt die nächste herbei gesehnte Nacht.
Endlich Ruhe.
Und plötzlich:
Das Herz rast wieder ohne ersichtlichen Auslöser.
Und jetzt? Wie geht es weiter?
Wie kann sie diesem erschöpfenden Kreislauf entkommen?
Wenn das Herz rast, kann das ein Hinweis darauf sein, dass im Inneren zu viel Druck vorhanden ist.
Zu viel. Zu schnell. Zu wenig Zeit…
Nicht nur ihr Herz rast: das ganze Leben rast gefühlt an ihr vorbei.
Doch Pausen werden als überflüssig und unproduktiv – also als verlorene Zeit gesehen.
Dabei wären sie ein sehr guter Anfang…
Warum es oft in Ruhe schlimmer wird
Ja, ich weiss, was nun alle denken, die das kennen:
Ich weiss nicht mehr, wie Ruhe geht.
Immer wenn ich einen Gang zurückschalten will, wird meine innere Antreiberin aktiv und mein Kopf erzählt mir alles, was eigentlich noch zu tun wäre.
Immer wenn der Körper einmal Ruhe bekommt, wird es im Inneren oft erst richtig laut.
Gedanken. Gefühle. Erinnerungen. Sorgen. Alles drängt an die Oberfläche, was sonst keinen Platz hat.
Aussen wäre endlich Ruhe… und innen geht die Post ab… noch viel schlimmer als während der Arbeit.
Denn Arbeit ist meist sogar eine willkommene Ablenkung von diesem inneren Tumult.
Und so entsteht eine unbewusste Strategie:
Die Flucht vor der Ruhe.
Und damit auch ein Stück weit vor sich selbst.
Die Flucht vor der Ruhe und warum es in Ruhe oft schlimmer wird
Wenn der Körper durch starke Symptome „schreit“, dann hat er meist schon lange davor geflüstert und gesprochen. Durch Unruhe, Verspannungen, zuunehmende Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten uvam.
Das heisst, er hat schon lange vorher Signale gesendet.
Er hat etwas mitzuteilen.
Und diese Signale werden oft mit der Zeit intensiver.
Als würde der Körper immer nachdrücklicher sagen:
So wie bisher geht es nicht weiter!
Was unser Nervensystem mit Psychosomatik zu tun hat
Worüber sprechen wir hier eigentlich wirklich?
Wir sprechen über psychosomatische und autonome Stress-Reaktionen unseres Nervensystems.
Und Herzrasen ist nur eine mögliche Ausprägung davon.
Dazu können auch die folgenden Körperreaktionen gehören*:
⭕ unerklärliche Schmerzen
⭕ Gedankenkreisen
⭕ Verdauungsprobleme
⭕ Hautirritationen
⭕ Druck auf der Brust
⭕ Schwindel
⭕ Taubheit
⭕ Kribbeln
(*Diese Reaktionen können viele Ursachen haben und sollten auf jeden Fall ärztlich abgeklärt werden.)
Oft steht dahinter aber ein Nervensystem, das über längere Zeit stark gefordert bis überfordert war.
Da es für unsere Vorfahren oft lebensbedrohlich war, erschöpft zu sein (weil wir dann weniger Kraft hatten zu kämpfen oder fliehen),
kann Erschöpfung für unser Nervensystem ein Alarmzeichen sein, welches dann eben autonome Reaktionen auslösen kann.
Und das ist die gute Nachricht:
Wenn es eine Erklärung gibt, eröffnet das neue Möglichkeiten im Umgang damit.
Und da das Problem nicht wirklich im Aussen liegt, müssen betroffene Menschen dafür auch nicht ihr ganzes Leben im Aussen umkrempeln.
Im Gegenteil. Das würde nur zusätzlichen Stress auslösen, wenn die Ursache nicht angegangen wird.
Wieso reagiert unser Nervensystem so? Was sind mögliche Ursachen?
Die Ursache für psychosomatisches Herzrasen und Panikattacken hat sehr oft mit einem Nervensystem zu tun, das im Überlebensmodus läuft. Und zwar schon viel zu lange.
Das sind wichtige Strategien, die unser Überleben seit Jahrmillionen gesichert haben. Und weil sie so überlebenswichtig sind, laufen sie autonom – also automatisch ab. Ohne dass unser Verstand mitdiskutieren kann. Sie werden blitzschnell aktiviert und waren ursprünglich nur für einen kurzzeitigen Kraftakt gedacht, bis die akute Bedrohung vorüber ist.
Wichtig wäre deshalb, dass unser Nervensystem dann auch wieder eine Entwarnung bekommt.
Tiere können das automatisch. Weil sie oft echte Lebens-Bedrohungen erleben, die dann auch real wieder einmal vorbei sind.
Wir Menschen unterliegen hier leider den Tieren. Denn unser hoch gepriesener Verstand, auf den wir so stolz sind, hat im Notfall nicht sehr viel zu melden. Er versteht das Problem schlichtweg nicht. Weil es nicht zu seinen Aufgaben gehört.
Der Körper (Herzschlag, Atmung, Verdauung, Muskelspannung, etc…) wird von unserem autonomen Nervensystem gesteuert und das arbeitet nach ganz eigenen Regeln.
Und diese Regeln können gelernt und genutzt werden.
Schon ein altes Sprichwort sagt: Wer die Regeln kennt, der kann sie brechen
Autonome Stress-Reaktionen können beeinflusst werden und unser Körper kann dadurch wieder regulieren.
Doch das will gelernt sein und GEÜBT werden.
In meiner Arbeit begleite ich Menschen dabei, ihre Angst vor dem eigenen Körper und ihren überwältigenden Emotionen wieder zu verlieren. Dafür verbinde sie in kleinen Schritten wieder mit ihrem Körper und ihren Gefühlen. Dadurch lernen sie, sich von den dann aufkommenden Reaktionen nicht mehr überwältigen zu lassen.
Autonome Stress-Reaktionen sind nur Informationen aus unserem eigenen System. Allerdings wichtige Informationen.
Sozusagen das direkte Feedback auf unsere Art zu leben.
Es gibt also Herzrasen ohne Befund – aber selten Herzrasen ohne Grund.
Wenn du Dich in diesem Beitrag wieder erkennst und dir Unterstützung wünschst, dann lass uns gerne ganz unverbindlich sprechen.
Schau mal hier, ob Dir hier ein freier Termin passt oder schreib mir gerne ein Email.


